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Dani Kouyaté vu par la presse

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Neue Zürcher Zeitung – Suisse – 2 novembre 2001
Afrikanisches Damenopfer

Zeitlos zu sein, sei das Privileg der Legenden, zitiert der 1961 in Burkina Faso geborene Dani Kouyaté zu Beginn seines vierten Spielfilms den französischen Dichter und Filmautor Jean Cocteau. Damit schickt Kouyaté voraus, dass «Sia - Der Traum von der Python» über den Fundus an schwarzafrikanischen Mythen auf eine der Ursachen zielt, die in Afrika bis heute zu staatlichem Machtmissbrauch, zu Unterdrückung und Diktaturen geführt haben: die glaubwürdig inszenierte Lüge.

In einer archetypischen Stadt sieht der Herrscher über Glück und Not seine Autorität bröckeln. Mit Hilfe der ebenso auf die Unantastbarkeit der Macht angewiesenen Priester lässt der Herrscher verkünden, die Gottheit Python fordere für den Schutz von Stadt und Bevölkerung im Gegenzug ein Menschenopfer. Glaubt man dem Orakelspruch, so zeigt Python Geschmack, denn die Wahl fällt auf Sia, die Schönste unter den Jungfrauen. Der insgeheim herbeigerufene Verlobte Sias, Mamadi, verhält sich erst ritterlich rebellierend, lässt sich dann aber bald von den intrigierenden und machthungrigen Lakaien des Herrschers benutzen: Der Herrscher wird entmachtet und erstochen, und Mamadi wird auf den Thron gehievt, weil er als mutiger Kämpfer die Gottheit Python getötet habe.

Inspiriert vom Urmythos um Wagadu haben der Drehbuchautor Moussa Diagana und Regisseur Dani Kouyaté eine bemerkenswerte aufklärerische Fabel geschaffen, deren filmische Umsetzung aber über weite Strecken hölzern wirkt: wenn etwa Dani Kouyaté, in der Absicht, die Gleichnishaftigkeit zu betonen, viele Dialogszenen in auffällig statische Bilder fasst - was intellektuell funktionieren mag, bleibt visuell dürftig. Zu den Stärken von Fabel und Film gehört indes die Figur des Dorfnarren Kerfa, der als Alter Ego des Filmautors die Machtandrohungen des Herrschers gellend verspottet und der Jungfrau Sia Unterschlupf gewährt, aber auch die zyklische Konstruktion, die in die afrikanische Gegenwart weist.

Als Einzige stellt sich die von den Priestern vergewaltigte und damit schmerzhaft zur Wissenden gewordene Sia sowohl gegen die Lüge, ihr Verlobter Mamadi habe die Gottheit Python bezwungen, als auch gegen den Betrug am Volk, der die Marionette Mamadi zum neuen Herrscher aufsteigen lässt. Doppelt missbraucht, tritt Sia inmitten des Strassenverkehrs in einer afrikanischen Grosstadt unserer Tage die Nachfolge Kerfas an. Jedes überkommene Regime braucht einen Narren oder eine Närrin, um Offenheit, Freiheit und politischen Fortschritt vorgaukeln zu können.

Robert Richter

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